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Bild: © Photocase.de

»Iphigenie auf Tauris« in München

Inhalt

Heimatlos ist Iphigenie auf Tauris: Der Vater wollte sie der Göttin Diana opfern, um für die Überfahrt seines griechischen Heeres im Trojanischen Krieg günstige Winde zu erhalten, aber die Göttin hat Iphigenie im letzten Moment entführt und sie in ihrem Tempel als Priesterin eingesetzt. Thoas, der König der Tauren, möchte die Fremde heiraten
da sie seine Werbung ausschlägt, wird der alte Brauch wieder eingeführt, jeden Fremden, der die Insel betritt, Diana zu opfern. Ausgerechnet Iphigenies wahnsinniger Bruder Orest ist es, den das Los als ersten trifft. Nach dem Mord an der eigenen Mutter hofft er, dem Fluch der Rachegöttinnen zu entkommen, indem er Gott Apoll das taurische Standbild der Diana bringt. Doch nicht der göttlichen Schwester Apollons, sondern seiner eigenen begegnet er. Als die Geschwister einander erkennen, planen sie die Flucht. Iphigenie verrät Thoas die Wahrheit und ihre eigene Identität. In einer großzügigen Geste der Liebe und Vergebung läßt der König die Fremden in ihre Heimat ziehen. "Verteufelt human", nannte Goethe seine Iphigenie - eine Humanität, die nicht von dieser Welt ist, eingemeißelt in einen Vers, der die Prosa des Lebens übersteigt. Ihre Worte sind eine Waffe im Kampf gegen den blutigen Irrsinn der Zeit, damals wie heute. Iphigenie beugt sich nicht dem Mythos des schicksalhaften Verhängnisses, sie geht den Weg aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit in die Selbstbestimmung. Welchen Auftrag hat Iphigenie heute noch, wo die Ideale der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sich längst in ihr Gegenteil verkehrt haben? Fällt unsere "Postmoderne der Moderne" wieder in die Abhängigkeiten des alten Mythos zurück, indem sie sich im vermeintlichen Verhängnis einer globalisierten Welt nicht der eigenen Verantwortung stellt? Der Wahnsinn Orests oder die Humanität Iphigenies - das sind auch heute noch zwei Seiten derselben Münze, mit der wir unsere Lebensverhältnisse bezahlen müssen.

Titel: Iphigenie auf Tauris Autor: Johann Wolfgang von Goethe Regie: Laurent Chétouane Bühnenbild: Barbara Mundel Termin: 18. Dezember 2005 Kontakt: Münchner Kammerspiele