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Bild: © Photocase.de

»Männer 06« in Hannover

Inhalt

Es gibt einen Ort auf dieser Welt, wo ein Mann noch ein Mann sein kann. Wo er fern des zivilisatorischen Drangsals von Beruf und Familie archaischen Trieben nachgeben kann und seinem inneren Schweinehund Auslauf gewährt. Dieser Ort ist das Fußballstadion. Hier geht es noch um die ersten und die letzten Dinge: Liebe und Hass, Mut und Verzweiflung, Bier und Wurst. Sieg oder Niederlage, drin oder nicht drin, wir oder die. Wenn dann nach dem Schlusspfiff der samstägliche Ausnahmezustand vorbei und die Fußballmesse gelesen ist, verharrt man noch für einen Augenblick auf der Tribüne, will den Moment des Sieges verlängern oder die Einsicht in die Niederlage noch eine Weile verdrängen - "nur nach Hause, nur nach Hause, nur nach Hause gehn wir nicht!" An diesem Punkt beginnt "Männer 06". Auf der karg besetzten Tribüne eines Fußballstadions begegnen wir einer handvoll Dagebliebener. Gerade noch haben sie gejammert und geschaudert, gezittert und gebebt, gefiebert und gehofft und nun? Nun sitzen sie gemeinsam einsam in ihrer Weltverzweiflung fad und öd in den Schalensitzen. Das Spiel ist aus, das wissen sie. Sie wissen aber auch, dass nach dem Spiel vor dem Spiel ist, und vor allem wissen sie um die Worte des großen Franz Beckenbauer, der einst sang: "Gute Freunde kann niemand trennen / Gute Freunde sind nie allein / Weil sie eines im Leben können / Füreinander da zu sein". You'll never walk alone also und so begegnen sich die "Männer". Sie sind füreinander da, bauen sich auf und spenden sich Trost. Sie bilden die Solidargemeinschaft derer, die es - herrjeh! - auch nicht immer leicht haben. Sie sind ein Rudel tränenschwerer Fans und Väter, Verliebter und Verlassener, Söhne und Gatten. Und wie das so ist, wenn sich Männer treffen, geht es - ganz wie beim Fußball - alsbald um Elementares: um die Frauen (die Mütter im Besonderen), um die Liebe, rote Stiefel und geile Säue, um das erste Mal, das letzte Mal und um einen kleinen Bären mit großen Ohren. Darin gehen die "Männer" auf, schwingen sich empor, und wer eben noch elend und waidwund war, weidet sich nun als Heldentenor oder Sexmachine am eigenen Männerdasein. "We will rock you" ist man sich plötzlich wieder gewiss und weiß vor lauter Testosteron gar nicht mehr wohin mit sich. Diesen Zustand gilt es zu erhalten und deshalb wird gesungen. Noch ein Bier! Noch eine Stadionwurst! Noch ein Lied! Noch ein Chor gegen die Welt! Noch ein Choral für die Liebe! Die Männer haben ihren Bill Shankly gelesen und wissen, dass es beim Fußball nicht um Leben oder Tod geht. Es geht um viel mehr. Doch ganz tief im Innern, begraben unter der Schwere einer übervollen Stadionseele, beschleicht die "Männer" eine Ahnung: Jenseits ihrer Stadiontribüne, außerhalb des schützenden Stadionkessels, lauert womöglich ihre nächste, ganz private Heimniederlage.
Noch ein Lied! Franz Wittenbrinks Liederabend "Männer 06" wird pünktlich zum Weltmeisterschaftsjahr Premiere haben. Im Jahr 1997 ist er am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg uraufgeführt worden, für die Hannoveraner Fassung richtet ihn Franz Wittenbrink nun noch einmal neu ein.


Titel: Männer 06 Autor: Franz Wittenbrink Künstlerische Leitung: Franz Wittenbrink Termin: 30. Dezember 2005 Kontakt: Schauspiel Hannover