13. Oktober 2006 Ausgabe 41/2006 zurück blättern | Kurzüberblick | Inhalt | weiter blättern
Film

David Frankel »Der Teufel trägt Prada«

Ein Landei versucht sich bei einem Modemagazin zu behaupten

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Titel Der Teufel trägt Prada
Regie David Frankel
Drehbuch Aline Brosh McKenna
Darsteller Meryl Streep, Anne Hathaway, Stanley Tucci, Emily Blunt, Simon Baker, Adrian Grenier
Land USA
Verleih 20th Century Fox
FSK Ohne Altersbeschränkung
Länge 109 Minuten
Kinostart 12.10.2006

Inhalt

Die böse Modewelt

Andy Sachs (Anne Hathaway) hat gerade die Universität verlassen. Nun tritt sie voller Hoffnung in New York bei dem Modemagazin »Runway« ihren ersten Job als Assistentin der Herausgeberin an. Doch Andy hat keinerlei Berufserfahrung, und Manolo Blahnik würde sie wahrscheinlich für einen spanischen Maler halten. Ihre Chefin Miranda Priestly (Meryl Streep) hingegen ist ein Profi. Sie beherrscht das Magazin mit strengem Regiment. Ihre Angestellten sind für sie nur Untergebene, die ihre Wünsche zu erfüllen haben. So scheint Andy leichte Beute für Miranda zu sein.

Besonderheit

Die böse Königin

Miranda, verkörpert von Meryl Streep, hat ein reales Vorbild. Die Modewelt zittert vor Anna Wintour, der Chefredakteurin der amerikanischen »Vogue«. Sie hat die Macht, Karrieren von Designern zu fördern. Tom Ford (Gucci) machte sie ebenso zum Star wie Diors John Galliano oder Stella McCartney, die Tochter von Paul McCartney. Die literarische Vorlage des Films stammt von Laura Weisberger, der ehemaligen Assistentin von Anna Wintour. Weisberger beschrieb ihre Zeit bei der »Vogue« in ihrem Roman »The Devil Wears Prada« und landete damit 2003 einen überraschenden Bestseller.

Kritikenspiegel

Brillante Schauspieler

Dass das Böse amüsant ist, beweist laut Kritik »Der Teufel trägt Prada«. Besonders die Leistung der Schauspieler erntet begeisterten Beifall: »Meryl Streep gibt das pelztragende Machttier, das an den Gefühlen anderer keinen Gedanken verschwendet. Die bildhübsche Anne Hathaway ist ebenfalls eine hervorragende Wahl«, bemerkt Jürg Zbinden (NZZ). Auch Hannelore Heider (Dradio Kultur) lobt Meryl Streep in den höchsten Tönen; sie zeige sich in satirischer Höchstform, ohne eine Karikatur abzugeben. Und die bezaubernd naive Anne Hathaway mache die Verführung durch die Glamourwelt durchaus nachvollziehbar. Adriano Sack (Die Welt) hebt die Details in Streeps Spiel besonders hervor: »Sie spielt exquisit und zugleich holzhammerhaft lustig: die mikroskopischen Regungen ihres Mundes, das bedrohliche Verschieben der Sonnenbrille ... Das fast nur gehauchte und doch tödliche 'That's all', mit dem Meryl Streep ihre Auftritte beendet, ist unvergesslich und unwiderstehlich.« Anke Dürr urteilt (Kulturspiegel): »Meryl Streep ist grandios als glamouröse Hexe. Je sanfter die Stimme, desto höher die Alarmstufe: Das ist Bosheit als hohe Kunst.« Für Fritz Göttler (SZ) ist Meryl Streep die »Queen des Mobbing« schlechthin. Und die Regie gefällt dem Rezensenten besonders wegen der »hektischen, bisweilen auch hysterischen Montagen«.  Regisseur David Frankel mache so »die Austauschbarkeit der Menschen und Modelle spürbar«. Einzig das Happy-End des Films enttäuscht die Kritiker. Verena Lueken (FAZ) bewertet dies als »Feigheit vor dem Bösen«, und auch für Adriano Sack (Die Welt) wäre dieses Ende nicht zu ertragen, würde es nicht von dem Film selbst konterkariert. Denn für ihn sind es »die oberflächlichen, gemeinen Menschen in der 'Runway'-Welt, die nicht nur die besseren Kleider, sondern auch die besseren Pointen haben.«  

Biografisches

David Frankel

*03.04.1959 in New York, ist einer der vielseitigsten und erfolgreichsten Fernseh-Regisseure der USA. Er schreibt Drehbücher und ist als Produzent tätig. Seine Karriere begann er als Regisseur der Arztserie »Doctor Doctor« (1989). Danach folgten weitere Fernsehserien, bevor er bei »Miami Rhapsody« (1995) das erste Mal bei einem Kinofilm Regie führte. Doch trotz dieses Erfolgs kehrte Frankel zum Fernsehen zurück und drehte unter anderem die Serien »From the Earth to the Moon«, »Grapevine« sowie »Band of Brothers« (2001). Letztere behandelt die Erlebnisse einer Gruppe US-Soldaten in Frankreich zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Ebenfalls 2001 übernahm Frankel zum ersten Mal die Regie bei der Kultserie »Sex and the City«, für die er 2005 mit dem wichtigsten amerikanischen Fernsehpreis, dem Emmy, ausgezeichnet wurde. Zuletzt drehte er die historische Fernsehserie »Rome«, zu der er auch das Drehbuch beisteuerte. 

Ähnliches

Als einer der wenigen Regisseure in Hollywood nahm Robert Altman 1994 die Modewelt aufs Korn. »Prêt-á-Porter« zeigt die Modewelt als eine Szene, die von Geltungssucht bestimmt ist. Der Film wartet mit einem großen Star-Ensemble auf: Sophia Loren, Marcello Mastroianni, Kim Basinger, Julia Roberts und Tim Robbins. »Prêt-á-Porter« erhielt eine Golden-Globe-Nominierung als »Bester Film«. Sophia Loren wurde außerdem als »Beste Nebendarstellerin« nominiert. Ben Stiller parodiert die Modebranche in seiner Komödie »Zoolander« (2001), in der das Model Derek Zoolander gegen eine Verschwörung von Modedesignern ankämpft. Eine Hommage an die Mode ist hingegen die Fernsehserie »Sex and the City«, deren Stylistin Patricia Field auch die Kostüme für »Der Teufel trägt Prada« entwarf.

akr