13. Oktober 2006 Ausgabe 41/2006 zurück blättern | Kurzüberblick | Inhalt | weiter blättern
Theater

Roland Schimmelpfennig »Ende und Anfang«

Uraufführung am Wiener Akademietheater

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  Justine del Corte  
© Justine del Corte

 

Akademietheater

Lisztstraße 1
1030 Wien

Kartentelefon
+ 43 (1) 51444-4740

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Titel Ende und Anfang
Autor Roland Schimmelpfennig
Regie Nicolas Stemann
Bühnenbild Katrin Nottrodt
Kostüm Esther Bialas
Darsteller Sebastian Rudolph, Markus Hering, Myriam Schröder, Sachiko Hara, Bibiana Zeller, Rudolf Melichar, Stefanie Dvorak, Philipp Hochmair, Hermann Scheidleder
Termine 15. Oktober 2006, 08./16. November 2006, 01. Dezember 2006

Inhalt

Träume

Peters Leben weist eine Kurve nach unten auf: Nach beruflichem Scheitern meidet er den Kontakt zur Realität und kann sich an sein glücklicheres Leben kaum mehr erinnern. Zusammen mit seiner Halbschwester trifft er an ihrer neuen Arbeitsstätte, einem Tierversuchslabor, auf andere Gescheiterte, zum Teil an ihren alten Träumen zerbrochen, zum Teil durch die Umstände ihres Lebens glücklos geworden. Im Wiener Akademietheater inszeniert Nicolas Stemann Roland Schimmelpfennigs neues Stück »Ende und Anfang« und spürt dem Verhältnis unserer Träume, Wünsche und Hoffnungen zur Realität nach.

Besonderheit

Dramatisches Gedicht

Als »Dramatisches Gedicht« bezeichnet Roland Schimmelpfennig sein neues Werk - ein Genrebegriff, der schon auf den ersten Blick deutlich macht, dass in »Ende und Anfang« nicht die eigentliche Handlung, sondern vielmehr die Sprache im Mittelpunkt des Interesses steht. Textliche Collagen und kurze Dialogfetzen sind es dann auch, die dem Ganzen seinen Rhythmus und seine Struktur geben. Zu Beginn des Stückes wird der Text dabei an eine Bühnenwand projiziert. Doch so, wie sich das Stück fortwährend in den dramatischen Gedichttext verliert, verschwimmt auch diese Projektion nach und nach.

Kritikenspiegel

Zumutung

Glatt durchgefallen ist Roland Schimmelpfennigs neues Stück in den Augen der Kritik. Allein Uwe Mattheiss (taz) macht dafür die Regieleistung von Nicolas Stemann verantwortlich, der die Einladung, »mit feinem Ohr mitzumusizieren ... über weite Strecken verhallen« lasse und sich mit einem »Nichtbebildern ab[mühe], das gerade dadurch wie brav dem Text hinterhergepinselt wirkt.« Dass es in dem Stück jedoch überhaupt nichts zu inszenieren gäbe, ist der Tenor der restlichen Kritiken. Während Stephan Hilpold (FR) wenigstens noch manch »schönen poetischen Splitter« ausmachte, befürchtete Helmut Schödel (SZ) schon bei der ersten Lektüre des Textes, »dass uns die Uraufführung ... ins Zentrum der dramatischen Neuzeit führen würde, in die Zeit nach den Dialogen, wo der Postdramatiker zweimal klingelt und man am besten zur Vorbereitung noch eine Zeile von Gertrude Stein schnüffelt.« Und tatsächlich ist auch nach dem Premierenbesuch sein Urteil vernichtend: »'Ende und Anfang' ist nicht mehr als das Machwerk eines postdramatischen Modespießers.« Auch Ronald Pohl (Der Standard) ist enttäuscht, bezeichnet das Stück als »für die Katz«. Trotz wackerer Regiebemühungen habe man den Eindruck: »Berge kreisen, und ein Mäuslein von Theaterstück« komme heraus, bestehend aus »mausetoten 75 Theaterminuten, ungeachtet ein paar hübscher, morbide funkelnder Irrwitzlichter«. Martin Lhotzky (FAZ) spricht gar von einer »Zumutung« für das Publikum: »Es mag freundlich gemeint sein, dem Publikum zuzutrauen, aus all dem selbst Geschichten zu destillieren, aber die ganze Arbeit vor der Bühnenrampe abzuladen war eher nicht ausgemacht ... Die meiste Zeit kann man sich des Eindrucks kaum erwehren, daß sich da jeder über jeden lustig macht, und am meisten wohl die Leute auf der Bühne über die Zuschauer im Parkett.«

Biografisches

ROLAND SCHIMMELPFENNIG, *1967 in Göttingen, ist einer der meistgespielten deutschen Dramatiker der Gegenwart. Nach einer Tätigkeit als Journalist und freier Autor in Istanbul studierte Schimmelpfennig von 1990 an Regie an der Otto-Falkenberg-Schule in München. Nach Abschluss seines Studiums wurde er Regieassistent und ab 1995 schließlich Mitarbeiter der Künstlerischen Leitung an den Münchner Kammerspielen. Von 1999 bis 2001 war Schimmelpfennig als Dramaturg der Berliner Schaubühne tätig, in der Spielzeit 2001/2002 als Hausautor am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Seit 1996 arbeitete er zudem als freier Autor und Übersetzer. NICOLAS STEMANN, *1968 in Hamburg, gilt als Regiespezialist für textlich anspruchsvolle Bühnenwerke. Er studierte Regie in Wien und Hamburg und ist mittlerweile als freier Regisseur an den wichtigsten deutschsprachigen Theatern tätig. Seine Hannoveraner »Hamlet«-Inszenierung wurde 2002 zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Er ist regelmäßiger Gast der wichtigsten Theaterfestivals und inszenierte 2003 die Uraufführung von Elfriede Jelineks »Das Werk« am Wiener Akademietheater. Einer seiner größten Erfolge ist seine viel gespielte Inszenierung »WERTHER!»

Ähnliche Werke

Bereits 2004 hat Roland Schimmelpfennig mit »Die Frau von früher« ein Stück für das Akademietheater geschrieben. Die Geschichte von Frank, seiner Frau und seiner ehemaligen Liebe Romy erinnert dabei einerseits an Werke von Botho Strauß und andererseits auch an antike Tragödien. Sein neues Stück lässt in seiner textlichen Konstruiertheit ebenso an Werke von Strauß denken, aber nicht zuletzt auch an »Das Werk« von Elfriede Jelinek.

sr