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Bild: © Photocase.de

»Nach der Liebe beginnt ihre Geschichte« in Zürich

Inhalt

Ich heisse Undula. Es war eine Art Auswahlverfahren. Ich stand in einer langen Schlange, vorn war eine Frau, die einen nach rechts oder nach links schickte. In meinem Falle schien sie unentschieden. Dabei bin ich gutaussehend, intelligent, kann mich interessant mit Männern unterhalten. Ich bin nicht so langweilig wie die meisten. Und im letzten Augenblick hat sie das, scheints, begriffen. Sprach von meiner typisch weiblichen Unentschiedenheit, und dass eben das mein Potenzial sei: Erotone sollt ich werden, oder müsst ich sagen: Erotonin? Das sind nämlich Strahlungsteilchen, die nur «in Beziehung zu» vorkommen, und die, selber negativ, in einer Wolke um den positiv geladenen Kern einer Paarbeziehung rumfliegen. Sehen Sie? Ich habs auch nicht ganz verstanden. Jedenfalls bekam ich einen Job in einem Architekturbüro, das neue Städte plant, «gated communities», in die nicht jeder rein darf, sondern nur die Gutaussehenden, Intelligenten und Gesunden. Und natürlich müssen Sie für eine Wohneinheit in dieser Stadt das Geld haben. Die Stelle bei dem Architekten war aber erst der Anfang: Als Nächstes musste ich mich, was überhaupt nicht zu mir passt, in ein dick bebrilltes Mauerblümchen verwandeln. Dann in eine Malerin, in eine wahnsinnige Stalkerin, einmal war ich sogar eine obdachlose Buchverkäuferin, ich wusste gar nicht, dass es so was gibt. Und dabei ging es immer um den Architekten, den ich seiner Frau abspenstig machen sollte
aber eigentlich dann doch nicht. Dabei hätte ich es schaffen können.

Autor: Botho Strauß Regie: Matthias Hartmann Darsteller: Lina Beckmann, Gottfried Breitfuss, Marcus Burkhard, Jean-Pierre Cornu, Tomas Flachs-Nóbrega, Christian Heller, Katja Hensel, Robert Hunger-Bühler, Marcus Kiepe, Corinna Kirchhoff, Miriam Maertens, André Meyer, Karin Pfammatter, Jörg Pohl u.a.