Abonnenten-Login

Passwort
  Passwort vergessen?




Bild: © Photocase.de

»Nathan der Weise« in Hannover

Inhalt

Als der jüdische Kaufmann Nathan, den man in Jerusalem den Weisen nennt, von einer Geschäftsreise nach Hause zurückkehrt, muss er erfahren, dass seine Tochter Recha bei einem Hausbrand fast ums Leben gekommen wäre. Gerettet wurde sie von einem christlichen Tempelherren. Der ist selbst kurz zuvor nur knapp dem Tod entronnen. Er war Gefangener des Sultans Saladin, dem muslimischen Herrscher Jerusalems (wir befinden uns in der Zeit der Kreuzzüge). Dieser hat ihm jedoch das Leben geschenkt, weil er seinem verstorbenen Bruder Assad so sehr gleicht. Nathans Haushälterin Daja gelingt es erst nach großen Mühen, den jungen Tempelherrn zu überreden, Nathan in seinem Haus zu besuchen, um den Dank seiner Tochter entgegenzunehmen: "Lasst den Vater mir vom Hals. Jud' ist Jude. Ich bin ein plumper Schwab." Doch bei seinem Besuch verliebt sich der Tempelherr in Recha, die Jüdin.
Unterdessen hat der Sultan, von Sorgen um seine restlos leere Staatskasse geplagt, den Juden Nathan zu sich gebeten, um sich von ihm Geld zu leihen. Während seines Besuchs stellt er Nathan die Frage, welches wohl die einzig "wahre Religion" sei. Die muslimische des Sultans, die jüdische Nathans, oder die christliche der Kreuzritter in Jerusalem. Nathan antwortet ihm darauf mit der berühmten "Ringparabel", einem Schlüsseltext der Aufklärung, der pointiert die Idee der Toleranz vertritt. Der Sultan ist so beeindruckt von den Ausführungen Nathans, dass er ihn um seine Freundschaft bittet. Der Tempelherr hat sich indes entschlossen, Recha zu heiraten, obwohl sie die Tochter eines Juden ist. Doch Recha ist Christin. Nathan hat sie adoptiert, nachdem seine eigene Familie während eines Pogroms getötet worden ist. Als der Tempelherr dies herausfindet, wendet er sich in seiner Ratlosigkeit an den Patriarchen von Jerusalem. Doch der sieht in Nathans Vorgehen, eine Christin im jüdischen Glauben zu erziehen, eine schwere Sünde. Und plötzlich ist Nathan mit dem Tode bedroht. Was den Nathan weise macht, ist seine Weltanschauung. Sie ist geprägt von Großmut und Toleranz. Der Glaube Nathans steht nicht über seiner Vernunft, sondern im Einklang mit ihr. Das lässt das 1783 uraufgeführte Drama so heutig werden. Mehr als 200 Jahre nach Lessing sind seine Themen dringlicher denn je: Die mit tödlichem Ernst ausgetragenen Konflikte zwischen den Religionsgruppen in Jerusalem, der religiöse Fanatismus und Dogmatismus auf allen Seiten, die Kernfrage nach der Möglichkeit einer Vereinbarkeit der Weltreligionen, das Töten im Namen des Herrn. Die Ringparabel in ihrem aufklärerischen Idealismus wirkt beunruhigend auf uns Heutige, die wir tagtäglich mit den Auswirkungen weltanschaulicher Intoleranz konfrontiert werden. Zeit also, sich wieder einem Text zuzuwenden, der sich traut, den großen Entwurf zu vertreten. Der flammend und voller Überzeugung für Werte eintritt, die einem angesichts der Weltlage altmodisch erscheinen: Güte, Großmut, Toleranz. Und dies nicht nur als Selbstzweck, sondern - und darunter macht es der Autor nicht - um den Menschen und die Welt zu retten. Was von diesem aufklärerischen Konzept in einer unruhigen und unsicheren Welt, die längst neue, eigene Werte und Wertigkeiten entwickelt hat, noch Bestand hat - das wäre zu entdecken.Christoph Frick wird den "Nathan" im schauspielhaus inszenieren. Von ihm sind am schauspielhannover Brechts "Herr Puntila und sein Knecht Matti" und Millers "Tod eines Handlungsreisenden" zu sehen.

Titel: Nathan der Weise Autor: Gotthold Ephraim Lessing Regie: Christoph Frick Kostüm: Viva Schudt Bühnenbild: Viva Schudt Darsteller: Wolf Bachofner, Sonja Beißwenger, Matthias Buss, Moritz Dürr, Hannes Hellmann, Daniel Lommatzsch Termine: 22./25. Oktober, 02./04./12./15. November 2005 Überschrift: Schauspiel Hannover