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Bild: © Photocase.de

»Shakespeares Macbeth« in Hamburg

Inhalt

Die Welt ist ein Schlachthaus oder eine Kloake, jedenfalls kein gemütlicher Ort, und die Erzählung Marc von Hennings beginnt folgerichtig mit der Entdeckung eines Mordes. Sie endet mit der Prophezeiung des nächsten, mit dem der Prozeß des Erringens der Macht, der Verdrängung aus ihr samt physischer Vernichtung des jeweiligen Protagonisten in Gang gehalten wird. Held der nächsten Folge wird Macduff sein. Er ist es, der uns die Geschichte Macbeths erzählt, um für sich selber eine Erklärung des Geschehens zu finden.
Wir wissen mehr von Macbeth als er selbst, und was wir wissen, gehört zum Unheilvollsten der Theaterliteratur. Macbeth spielen zu wollen ist keine Einladung zum Spaziergang in die Gefilde der Kunst. Das Stück ist Krieg. Macbeth gerät in die selbstgestellte Falle zwischen einer lockenden Versuchung und ihrer Realisation. »Der ganze Horror des Stücks ist letztlich ein Horror der Einbildungskraft«, schreibt Harold Bloom. Diesen Horror nicht aushalten zu können, ist das Drama Macbeths. Kein Stück, keine Figur Shakespeares wird geradliniger, rücksichtsloser und schneller an ihr Ende geführt. Der Schrecken dringt ins Parkett. Und er endet nicht mit dem Tod Macbeths.
Der Brite Marc von Henning, zur Hälfte deutscher Abstammung, ist ein Wünschelrutengänger der Literatur. Als Mitbegründer und Regisseur der Londoner Off-Theatergruppe »primitive science« schmuggelte er die Konterbande deutschsprachiger Literatur auf die Insel – Brecht, Müller, Handke, Schwab – sie teils übersetzend, teils inszenierend, teils schreibend sich anverwandelnd. So wurde er bekannt, zunächst in England, dann auf dem Weg über Festivals auch in Deutschland, so entstand ein Kontakt nach Stuttgart und so gab ein Stück das andere. Seine Methode, erprobt an Borges, Kafka und Poe, bleibt auch bei Shakespeare die gleiche. Marc von Henning will nicht klüger sein oder sich klüger dünken als der Altvordere aus Stratford, wenn er sich auf die Suche nach einer Pforte begibt, um in das Material einzudringen. Shakespeare läßt es nicht nur zu – er verlangt geradezu, verändert zu werden. Er selbst hielt es beim Umgang mit seinen Quellen nicht anders. Wir Nachgeborenen zehren vom dabei erzeugten dramaturgischen Mehrwert, aber Shakespeares ursprüngliche Intention galt im Falle des »Macbeth« der ideologischen Unterfütterung des Thronanspruchs James’ I., der als schottischer König und Sohn Maria Stuarts seine Herkunft von Banquo ableitete, dem Gefährten und späteren Opfer Macbeths. Welttheater hat gelegentlich eben auch ganz reale Ingredienzen. Wie die Beschäftigung mit diesem Text, den Marc von Henning bereits einmal in Stuttgart inszeniert hat.

Der Autor, Regisseur und Übersetzer Marc von Henning, geboren 1960 in London, war Gründer und lange Jahre künstlerischer Leiter von »primitive science«, einer freien Londoner Theatergruppe. Seine Arbeiten waren auf verschiedenen Festivals zu sehen (Theaterformen Hannover, steirischer herbst, Salzburger Festspiele und Wiener Festwochen), so »Theatre Dream«, »Icarus Falling«, »The Invisible College«. Übersetzungen einiger Stücke von Brecht, Handke, Heiner Müller und Werner Schwab ins Englische. Seit 2000 zahlreiche Inszenierungen u.a. in Stuttgart, Graz und Frankfurt, zuletzt Shakespeares »Richard III« und »K.« nach Franz Kafkas »Der Prozeß«.

Überschrift: Shakespeares Macbeth Inszenierung: Marc von Henning Überschrift: Herbert Murauer Überschrift: Herbert Murauer Darsteller: Marc von Henning Termin: 22. Oktober 2005 Kontakt: Deutsches Schauspielhaus Hamburg