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Bild: © Photocase.de

»Zement« in Leipzig

Inhalt

Die russische Revolution von 1917 hat den Alltag der Menschen radikal verändert. Nichts ist wie vorher. Als der Schlosser Gleb Tschumalow nach dem Bürgerkrieg in seine Stadt zurückkehrt, liegt die Produktion noch still und das Zementwerk ist zum Ziegenstall verkommen. Seine Frau Dascha, die sich mittlerweile für die Revolution engagiert, hat ihre traditionelle Ehe- und Hausfrauenrolle aufgegeben und ist nicht bereit, die Liebesbeziehung so wieder aufzunehmen, wie sie vor dem Krieg bestand. Der bürgerliche Ingenieur Kleist, der Tschumalow einst durch Weißgardisten erschießen lassen wollte, ist nun in dessen Hand. Doch Tschumalow lässt ihn leben, er verzichtet auf Rache, denn er braucht Kleists Intelligenz für den Wiederaufbau, der dank Lenins Neuer Ökonomischer Politik (NEP) schließlich doch gelingt. Gleb Tschumalow ist zwar erfolgreich in seinen Bemühungen, das Zementwerk wieder in Gang zu setzen, seine Frau verliert er jedoch an die Revolution. Der Aufbau einer neuen Gesellschaft droht an den Enttäuschungen jener, die für sie gekämpft haben, zu scheitern. „Wir sind allein mit der Revolution. Die Zeit der Träume ist vorbei.“ Heiner Müller erhielt 1972 vom „Berliner Ensemble“ den Auftrag, den 1925 in Russland erschienenen Roman Zement von Fjodor Gladkow zu dramatisieren. Er montierte in sein Stück antike Zwischenspiele, so als Höhe- und Wendepunkt den Monolog „Herakles 2 oder Die Hydra“, eine Metapher für den Würgegriff der realen historischen Bedingungen. Zement zeigt die Gefahr der Verrohung und Entwurzelung der Menschen, die droht, wenn die Ausgebeuteten zu Herren, die Bewaffneten entmachtet, Brüder zu Todfeinden werden und die Bürokratie an die Stelle der Solidarität tritt. Es diskutiert die Frage, wie die gesellschaftlichen Verwerfungen eines revolutionären Prozesses aufgefangen werden können.

Titel: Zement Autor: Heiner Müller Regie: Konstanze Lauterbach Bühnenbild: Kathrin Frosch Kostüm: Kathrin Frosch Musik: Achim Gieseler Termin: 18. Februar 2006 Kontakt: Schauspiel Leipzig